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Welchen Namen (Patrozinium) trägt die neue PE?

Die Gläubigen in der Pfarrei Altenkirchen/Hamm und im Kirchengemeindeverband Obere Sieg waren gebeten worden, Vorschläge für einen Namen der neuen Pastoralen Einheit einzureichen. Einige sind diesem Wunsch gefolgt, ein Vorschlag aus den Gemeinden fand die Zustimmung aller Gremien:

Edith Stein

Hl. Edith Stein

geb. 12. Oktober 1891 in Breslau, Polen
gest. 9. August 1942 im KZ Ausschwitz, Polen
Heilig gesprochen am 11. Oktober 1998

Warum gerade diese eher unbekannte Heilige?
Warum passt Edith Stein zur neuen Pastoralen Einheit?

Dr. Edith Stein (1891-1942) ist Märtyrerin des Erzbistums Köln, 1999 wurde sie zur Patronin Europas erhoben. Ein Magazin des Erbistums, das ihr gewidmet ist, trägt den Titel „Edith Stein – die hartnäckige Gottsucherin“. Die Suche nach Gott ist für uns als katholische Kirche eine noch größere Herausforderung geworden: Keine 50 % der in Deutschland Lebenden bekennen sich noch zu einer christlichen Kirche. Da wird Edith Stein zum großen Vorbild.

Papst Johannes Paul II. sprach sie am 1. Mai 1987 im Müngersdorfer Stadion zu Köln selig und am 11. Oktober 1998 in Rom heilig. (Sie ist also noch eine sehr „junge“ Heilige.)

Zu unseren Gemeinden gibt es viele Anknüpfungspunkte:

Edith Stein wurde in eine jüdisch-orthodoxe Familie geboren. Zu der religiösen Tradition ihres Elternhauses entwickelte die junge Edith Stein ein kritisches Verhältnis und verstand sich zeitweilig als Atheistin. 1922 konvertierte sie durch die Taufe zur römisch-katholischen Kirche. Die Lektüre einer Biografie der heiligen Teresa von Avila war ein Schlüsselmoment auf ihrem Weg zum Katholizismus.
Somit ist Edith Stein eine Brückenbauerin auch für uns zwischen Judentum und Christentum und mahnt die Städte Altenkirchen und Hamm mit ihren beiden ehemaligen Synagogen an ihre jüdische Vergangenheit. Wie die vertriebenen Juden beider Städte fand Edith Stein den Tod 1942 im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau. Wissen hat keine jüdische Tradition, man findet in der Stadt gerade mal sechs Stolpersteine, wovon ein Stein eines Zeugen Jehovas gedenkt.

Die begabte junge Frau studierte Philosophie, Psychologie, Germanistik und Geschichte in Breslau und Göttingen. 1916 bis 1918 promovierte sie in Freiburg. Als eine der ersten Frauen mit einem Doktortitel („summa cum laude“) in Philosophie setzte sich Edith Stein auch theoretisch mit der Rolle der Frau auseinander. Ihre Gedanken dazu sind in dem Buch „Die Frau. Ihre Aufgabe nach Natur und Gnade“ festgehalten. Ihre vorgelegten Habilitationsschriften wurden von verschiedenen Universitäten aber nicht angenommen, „weil sie eine Frau war“.
Die Mehrheit der Katholiken unserer beiden Gemeinden sind Frauen. Es macht deshalb Sinn, auch eine Frau im Patrozinium zu haben. Zudem muss das Ringen um die Rolle der Frau in der kath. Kirche endlich – auch bei uns – Fahrt aufnehmen. Edith Stein wäre uns dabei in ihrem Kampf um Geschlechtergerechtigkeit ein Vorbild.

Schon kurz nach ihrem Glaubenswechsel äußerte Edith Stein den Wunsch, Karmelitin zu werden. Freunde und Bekannte raten ihr jedoch zunächst davon ab. Auch mit Rücksicht auf ihre jüdische Mutter, der schon die Taufe fast das Herz gebrochen hat, verschiebt sie ihren Plan immer wieder. Am 14. Oktober 1933 tritt sie aber dann in den Kölner Karmeliterorden ein, nachdem sich ihr eigentliches Leben mehr und mehr nach innen gesammelt hat. Am 15. April 1934 wird sie eingekleidet und wählt den Namen „Teresia Benedicta a Cruce“. Sie schreibt: „Ich bin jetzt an dem Ort, an den ich längst gehörte.“
Auch mit der Wahl ihres Ordens schlägt sie eine Brücke zu uns, sind doch unsere Patres in Altenkirchen ebenfalls Mitglieder eines Karmeliterordens (CMI – Carmelites od Mary Immacilate).
Ihr Ordensname „Teresia Benedicta a Cruce“ (Theresa Benedicta vom Kreuz) bildet zudem eine Brücke zu unserer künftigen Pfarrkirche "Kreuzerhöhung".

Die evangelische Kirche schätzt Edith Stein sehr, dort gilt sie als Glaubenszeugin. Wie die Katholiken feiern die evangelischen Christen ihren Gedenktag am 9. August.
Auch damit schlägt Edith Stein eine Brücke zu unseren evangelischen Geschwisterkirchen. Rund um Altenkirchen lebt der Katholizismus seit der Reformation in der Diaspora. Ein freundschaftliches und respektvolles Miteinander zwischen den beiden christlichen Konfessionen gehört für uns einfach dazu. Mit Edith Stein umso besser!

Eine Pfarrgemeinde eines solchen Namens existiert noch nicht im Erzbistum Köln, wohl in den Bistümern Speyer und Trier. Deshalb kann dieses Patrozinium zu einem Alleinstellungsmerkmal im Erzbistum werden!